Waxing, Sugaring und Haarentfernung..
..läuft eigentlich alles auf dasselbe hinaus. Unter Waxing ist die Entfernung störender Körperhaare mittels einer Zuckerlösung zu verstehen. Was sich hierzulande als Trend darstellt, hat im Orient bereist eine vieltausendjährige Tradition. Die Methode wird auch unter dem Namen Brazilian Sugar Waxing vermarktet.
Das Verfahren ähnelt der Euch vielleicht eher bekannten Heißwachsbehandlung, bietet dieser gegenüber aber einige Vorteile. Die Paste besteht aus karamellisiertem Zucker, Zitronensaft, manchmal werden auch Ölzusätze verwendet. Alle Bestandteile sind essbar, und ich habe gehört, dass die Zuckerpaste teilweise sogar Kindern als Lutschererstaz gegeben wird. Wer es ausprobieren möchte:
Ich nehme 200 g Zucker, vermische diese mit 100 ml Zitronensaft (das Konzentrat aus der Flasche genügt), gebe beides in eine beschichtete Pfanne und lasse die Mischung unter sanftem Rühren ca. 15 Minuten lang leicht köcheln. Der Zucker beginnt dabei zu karamellisieren. Bei meinem Elektroherd (9 Stufen) stelle ich Stufe 4 ein, das genügt. Ungefähr nach der angegebenen Zeit nimmt die Masse eine honiggelbe Farbe an, dann ist sie genau richtig. Sie sollte auch schon eine etwas zähere Konsistenz aufweisen. In diesem Moment nehmt ihr mit dem Holzlössel eine Probe aus der Masse ab und tropft sie in ein mit kaltem Wasser gefülltes Glas. Vorsicht, das Produkt ist extrem heiß!
Das, was nun im Wasserglas schwimmt, sollte in etwa die Konsistenz von Baumharz haben und gerade noch geschmeidig sein, dann habt ihr alles richtig gemacht. Ist die Lösung noch zu weich, köchelt ihr sie einfach vorsichtig weiter, fühlt sie sich hart und brüchig an, könnt ihr noch ein paar Tropfen Zitronensaft hinzugeben.
Achtung: Ihr dürft den Herd nicht zu hoch schalten und auch nicht zu lange kochen lassen, sonst verbrennt der Zucker und das Ergebnis wird unbrauchbar.
Es empfiehlt sich sowieso, in die abkühlende, fertige Masse noch wenige kleine Spritzer Zitronensaft, maximal 5 ml, zu geben, um eine optimale Konsistenz hinzubekommen.
Beim Auftragen auf die Haut sollte die Paste zunächst gut haften, sich aber auch leicht wieder abziehen lassen und nicht kleben. Aufgetragen wird euer Produkt gegen die Haarwuchsrichtung, ihr zieht es aber mit der Wuchsrichtung wieder ab!
Die fertige Masse könnt ihr, nachdem sie gut abgekühlt ist (Verbrennungsgefahr!!) zu einem Kügelchen rollen und auf die Haare geben. Zum Testen könnt Ihr eine etwa haselnussgroße Menge der Paste auf Euren Unterarm geben und sie abziehen.
Wenn ihr die Haare nun mit der Haarwuchsrichtung mit einem kurzen Ruck abzupft, wird die Haut wunderbar glatt und weich, die folgenden Haare wachsen viel dünner nach. Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass sich die Lösung nur an die Haare anheftet und von der Haut gut wieder abwaschen lässt, so kommt es im Vergleich zur Anwendung mit Heißwachs zu deutlich weniger Hautirritationen und damit auch zu weniger einwachsenden Haaren.
Noch etwas: Wenn ihr euch wundert, was es mit diesem wundersamen Halawa oder Halva auf sich hat, von dem in einigen Artikeln die Rede ist – ihr habt es schon hergestellt! Falls nicht, schaut nach einmal oben nach dem Rezept
Und hier noch ein paar Vorteile des Sugar-Waxings:
Die Zuckerpaste wird bei Körpertemperatur, also etwa 35-37 °C, aufgetragen und fühlt sich daher schon wesentlich angenehmer an als Heißwachs. Außerdem wird die Durchblutung so nicht unnötig angeregt, wodurch sich die Haarfollikel nicht verengen. Damit tut die Behandlung weniger weh.
Die Zuckerreste sind leicht und unproblematisch zu entfernen, da der Zucker wasserlöslich ist. Heißwachs ist dagegen ist nur aufwendig mit Öllösungen oder mit alkoholhaltigen Lösungsmitteln zu entfernen, wodurch die Haut viel stärker gereizt wird. Hinzu kommt noch, dass Zucker überhaupt nur an trockenen, toten Zellen haften kann. An gesunden und damit feuchten Zellen haftet er dagegen nicht. Bei der Haarentfernung werden somit auch gleichzeitig tote Hautschüppchen entfernt, in Fachkreisen nennt man diese Prozedur “Exflozieren”. Somit sieht die Hautstruktur nach der Behandlung verjüngt und geklärt aus.
Ein weiterer Vorteil des Zuckerwaxings ist es, dass die Paste dank ihrer halbflüssigen Konsistenz leichter in den Follikeltrichter eindringen kann und das zu entfernende Haar damit tiefer von der Paste erfasst und festgehalten wird. Auch wesentlich kürzere Haare von nur etwa 2,5 mm ab der Hautoberfläche können so schonend entfernt werden. Auch bereits in der frühen Wachstumsphase können damit viele Haare erfasst werden, die mitsamt des Haarschafts herausgezogen werden. Die Wurzel wird hierdurch jedoch nicht beeinträchtigt, es wird lediglich die Wachstumsphase des Haares unterbrochen. Danach geht das Haarfollikel in eine Ruhephase über , der Haarbalg schrumpft zusammen und bildet in der nachfolgenden Wachstumsphase nur noch ein sehr feines Haar aus.
Wird diese Prozedur oft genug wiederholt, dann kann der Haarbalg unter Umständen soweit zusammenfallen, dass er schließlich kein Haar mehr produziert. Auch dann können zwar grundsätzlich irgendwann wieder Haare aus derselben Haarwurzel gebildet werden, dies dauert aber einige Jahre. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Haarwurzel immer in der haut verankert bleibt, entfernt wird nur die Haarzwiebel.
Das Verfahren ist absolut hygienisch, Zucker wird traditionell nicht nur als Konservierungs-, sondern auch heutzutage noch als Wundverschlussmittel eingesetzt. Auch bei offenen Brandwunden, offenen Brüchen oder auch nach chirurgischen Eingriffen wird Zucker nach wie vor als Wundverband verwendet.