Hamam

Nachdem eine tunesisch-stämmige Freundin mir schon wochen- und monatelang von den Anwendungen im Hamam vorgeschwärmt hatte, habe ich mich im Urlaub endlich mal getraut. Zum einen deswegen, weil es doch nicht ganz so günstig ist, wenn man die ganzen Spezialbehandlungen ausprobieren und sich so richtig verwöhnen lassen möchte, und zum anderen, weil ich sehr empfindliche Haut habe, die zu Rötungen neigt. Aber was soll ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht!

Das Hamam ist eigentlich nichts anderes als ein Türkisches Bad oder auch Orientalisches Bad. Gleich am ersten Urlaubstag im türkischen Side wurden mein Schatz und ich gleich von der dortigen Wellness-Chefin unseres Luxushotels angesprochen, ob wir denn nicht einmal die Vorzüge des Hamams kennen lernen wollten. Da die Nutzung sowie schon im Preis inbegriffen war und wir nur einige Zusatzbehandlungen mitbuchen mussten, haben wir uns kurzerhand den Wellnessbereich angeschaut und, nachdem wir sehr positiv überrascht waren von der großzügigen, sauberen Anlage und der Freundlichkeit der Mitarbeiter, dafür entschieden.

Aus Berichten wusste ich schon, dass Männer und Frauen normalerweise getrennt gehen, ein Hamam-Tuch um die Brust bzw. Hüften schlingen, aber doch Badebekleidung anbehalten (Badehose oder Bikini) und sich nach einem Aufguss aus warmem Wasser, mit dem der ganze Körper benetzt wird, auf einen heißen Stein legen. Dazu befinden sich an den Wänden zahlreiche Waschbecken mit warmem und kaltem Wasser, mit dem man sich mithilfe kleiner Schüsseln regelmäßig übergießt.

Marmorwaschbecken im Hamam; Foto unter GNU-Lizenz von Gryffindor, vgl. Impressum

In der Mitte des Raumes befindet sich ein massiver, aufgeheizter Marmorblock, der Nabelstein “Göbek Tasi”, auf den man sich anschließend legt, bis der ganze Körper schweißgebadet ist. So sollen die Poren geöffnet werden. Im Anschluss daran wird der Körper auf Marmorbänken in einem abgeteilten Bereich des Raumes sorgfältig mit dem Peelinghandschuh behandelt, mit Seifenschaum eingeseift, massiert, wobei jeder einzelne Muskel durchgeknetet wird. Wahlweise kann auch eine Gesichtsmassage, Enthaarung, Ölmassage oder Kopfwaschung mitgebucht werden. Einige Hamams bieten zudem Kosmetikbehandlungen wie Maniküre, Pediküre etc. an.

Im Anschluss daran wird in einem großen, orientalisch eingerichteten Raum ein Tee serviert, die Besucher sollen dort die Behandlung noch einmal Revue passieren lassen und zur Ruhe kommen. Den Rahmen bildet das Gemeinschaftserlebnis. Beziehungen sollen durch die gemeinsamen Waschungen gestärkt werden, nicht selten massieren und Seifen sich die Besucher auch gegenseitig. In früheren Zeiten wurde so sogar Ehen angebahnt und Verträge vorbereitet.

Die Kultur der Hamamnutzung ist im gesamten islamischen Einflussbereich verbreitet. Dies betrifft jedoch nicht nur die Türkei und die orientalischen Staaten, sondern auch Nordafrika und beispielsweise auch Ungarn. Hier besteht sogar seit der römischen Antike eine ununterbrochene Tradition der Badekultur, die teils auf islamische Einflüsse, zu großen Teilen aber auch auf die römische Badekultur zurückgeht.